Bittere Wahrheit: Juventus Turin transformiert sich vom Fußballverein zum Fashionkonzern

Ist es noch zu früh für einen Aprilscherz? Leider ja, betrachtet man die jüngste Entwicklung bei Juventus Turin. Der traditionsreiche Fußballclub hat endgültig das vollzogen, was wir bei noch vielen Fußballvereinen in Europa sehen werden. Vom Fußballverein zum Fashionkonzern, das war mein erster Eindruck, nachdem ich das neue Logo des Vereins und Fotos des dafür veranstalteten Events gesehen habe. Und nein, es sind leider keine Fotos der Fashion Wekk in Mailand oder wo auch immer, es sind tatsächlich  Fotos der Pressekonferenz, auf welcher sich ein ikonenhafter Verein meiner Kindheit in neuem Glanz präsentiert.

Zu viel Glanz, zeigt schon das neue Vereinslogo. Tatsächlich hat man es geschafft, sämtliche Tradition und Erinnerungen an vergangene Tage aus diesem Logo zu entfernen, viel mehr passt dieses neue „Wappen“ zu einem hippen Start-Up oder eben zu einem neuen Modelabel. Ich könnte heulen.

Es geht auch anders, zeigte ausgerechnet Manchester City in der jüngeren Vergangenheit. Das neue seit 2016 geltende Wappen des inzwischen verkauften Vereins besitzt zwar einen modernen und neuen Anstrich, verfügt aber weiterhin über klassische Elemente aus vergangenen Tagen und repräsentiert damit weiterhin den 1894 gegründeten Verein.

Natürlich rührt diese „neue Identität“ daher, dass sich der italienische Fußball seit Jahren dringend modernisieren muss. Ein Zuschauerschnitt von knapp über 20.000 Menschen pro Spiel in der Serie A ist die bittere Wahrheit. Gut, der Schnitt der Liga war selbst zu besseren Zeiten vor 15 Jahren nicht wesentlich höher. Große Vereine haben aber deutlich nachgelassen. Zu den Spielen der Mailänder Clubs gehen heute nur noch 40.000 statt über 60.000 Zuschauer, in das Olimpico die Roma pilgern nur noch 30.000 statt über 50.000 Zuschauer zu den Heimspielen des AS Rom.

Nach dem großen Wettskandal und der allgemein miesen wirtschaftlichen Lage Italiens schaffte es nur Juventus Turin wieder nach oben, vor zwei Jahren sogar ins Champions League-Finale. Ein neues Stadion steht dort nun schon seit einiger Zeit, dieses lastet der Verein jede Saison auch fast komplett aus. Besonders bitter war es für die restliche Liga in der Saison 2013/2014, als „die alte Dame“ mit 38.553 Zuschauern den höchsten Schnitt der Liga bot. Obwohl in Mailand ein doppelt so großes Stadion steht, in Rom über 30.000 Leute mehr Platz finden und selbst der AC Florenz und der SSC Neapel in größeren Stadien spielen.

In Turin betont man aber weiterhin die Tradition des Vereins und an dieser festzuhalten, das neue Logo soll lediglich die Entwicklung und den Fortschritt symbolisieren. Ich persönlich bin kein Traditionalist der übelsten Sorte, professioneller Fußball ist heute nunmal mehr ein Geschäft, doch man muss es ja nicht auf die Spitze treiben und kann den Fans wenigsten noch ein bisschen Identität bewahren.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.