Abrechnung mit dem neuen BVB 2015: Planlos und torlos zurück ins Mittelfeld

Am 18. März 2015 waren alle Dortmunder Anhänger bereit für ein erneutes Spektakel auf der großen Bühne „Champions League“. Wiedermal ein kleines Finalspiel. Wieder hatte man das Hinspiel nicht für sich entscheiden können, wieder fand das Rückspiel im eigenen Stadion vor einer zunächst traumhaften Kulisse statt. Eine beeindrucke Choreografie der Fans der Südtribüne sollte schon vor dem Spiel zeigen, was wir Fans und Zuschauer von den kommenden 90 Minuten erwarten konnten. Aber anders als noch gegen Real Madrid oder Malaga passierte in diesem Jahr nichts, einfach überhaupt nichts. Ein früher Rückschlag durch ein traumhaftes Gegentor war daran meines Erachtens aber nicht schuld. Wir waren wie gewohnt in den letzten Monaten einfach ideenlos, konnten keine Impulse setzen und rannten blindlings in die Konter des Gegners. Spätestens zum Pausenpfiff war klar, es wird das letzte Spiel in der Champions League für mindestens eine Saison sein.

Inzwischen macht sich nach vier starken Spielen in der Bundesliga wieder Ernüchterung breit, die Realität kehrt zurück, in vier der letzten Spiele schossen wir lediglich ein einziges Tor. Zweimal 0:0 in der Bundesliga und insgesamt 1:5 im Achtelfinale der Champions Leauge ist nicht annähernd ausreichend. Und den dreckigen Sieg im DFB Pokal hatte uns Dresden mehr oder weniger zum größten Teil geschenkt. Genauso geschenkt war im Nachhinein betrachtet das 3:0 gegen GE, welches nur so gut war, weil der Gegner überhaupt nicht mitspielte. Wir konnten nur gewinnen.

Ein Team, das keines ist

Noch vor der Winterpause wollte ich meine Gefühle zur aktuellen Lage widerspiegeln, habe darauf aber aus Hoffnung verzichtet. Inzwischen stehen wir aber wieder ganz unten drin. Der Tabellenplatz zeigt nicht die Leistung der letzten Wochen, wir müssten eigentlich wieder weiter unten stehen. Ja, die Mannschaft hat in einzelnen Teilen ganz viel Potenzial, doch das gesamte Gebilde funktioniert so definitiv auch im nächsten Jahr nicht. Natürlich brauchen Spieler aus einer fremden Kultur etwas mehr Zeit zur Eingewöhnung, doch so richtig integrieren konnte sich nur Aubameyang. Wenn Mkhitaryan, Ramos und Immobile auf dem Platz stehen, spielen wir gefühlt meist in Unterzahl. Und wenn im gleichen Zuge Spieler wie Gündogan schlechte Tage haben, also ständig Fehlpässe spielen und ihre Genialität nicht aufblitzen lassen, dann können wir fast nur verlieren.

Es scheint Jürgen Klopp und seinem Team nicht zu gelingen etablierte Spieler in das Team zu integrieren. Eine Phase, wie wir sie in den vergangenen Jahren hatten, mit sehr vielen jungen aufstrebenden Spielern, lässt sich dummerweise nicht auf Dauer erzwingen. Nicht jeden Tag sprießt ein Talent aus dem Boden, welches über zwei, drei Jahre hinweg Vollgas geben kann und schon in den ersten beiden Jahren Bundesliga bereit wäre, auch die Champions League zu gewinnen. Das hat sich auch 2013 im CL-Finale gezeigt, als erfahrene Spieler wie Arjen Robben nach bald 90 Minuten Kampf eine nicht nachahmbare Ruhe vor dem Tor zeigten und so ein Spiel entsprechend entschieden. Ich will damit nicht einen Champions League-Sieg fordern, sondern nur aufzeigen, dass langlebiger Erfolg nicht ohne etablierte „Stars“ möglich ist. Auch die haben Perioden der Schwäche, wurden in zwei Jahren von den jungen Wilden schwindelig gespielt, doch setzen sich am Ende über einen längeren Zeitraum durch.

Umbruch abgebrochen

Dem Dortmunder Vorstand war sicher schon lange vorher klar, dass nicht alle Spieler wie Lewandowski, Reus, Kagawa, Götze, Sahin, Gündogan und Hummels dauerhaft beim BVB bleiben. Bis auf Reus waren alle diese Spieler vor ihrer Zeit in Dortmund mehr oder weniger unbekannt, oder zumindest nicht der großen Öffentlichkeit weiter aufgefallen. Sie haben sich dann zu reifen Spielern entwickelt, die in Deutschland und Europa die ganz großen Jungs aufmischten. Kein Vergleich zu den Bayern, die zum großen Teil aus schlauen und geglückten Transfers bestehen, gemischt mit vielen Eigengewächsen. Die sind aber nicht aus einer Talsohle geklettert, sondern können seit Jahrzehnten ihr etabliertes System aus teuren Transfers und eigener Jugend durchsetzen. Es war also klar, dass bei Dortmund der Umbruch kommen wird, der Umbruch zum System der Bayern, um wenigstens ansatzweise länger Schritt halten zu können.

Dieser Umbruch wurde auch eingeleitet, man hat versucht etablierte Spieler zu kaufen und zu integrieren. Diese Spieler im deutlich größeren öffentlichen Interesse kosten aber deutlich mehr. Mal ein Vergleich? Folgend findet ihr die Ablösesummen der oben genannten Dortmunder, die damals bei ihrem Transfer nach Dortmund eher unbekannt waren, im Vergleich zu den jetzt eingekauften Spielern, an denen deutlich mehr Vereine Interesse zeigten:

Zugänge zu Dortmund damals

  • Hummels – 4,2 Mio Euro
  • Kagawa – 350.000 Euro
  • Gündogan – 5,5 Mio Euro
  • Sahin – eigene Jugend
  • Reus – 17 Mio Euro
  • Lewandowski 4,7 Mio Euro

= 31,75 Mio Euro

Zugänge zu Dortmund für die Zukunft

  • Mkhitaryan – 27,5 Mio Euro
  • Aubameyang – 13 Mio Euro
  • Immobile – 19,4 Mio Euro
  • Ramos – 9,7 Mio Euro

= 69,6 Mio Euro

Wie man sieht, hat man in Dortmund eine stabilere und vor allem erfahrenere Mannschaft aufbauen wollen, was aber aus mehreren Gründen mächtig schief gelaufen ist. Nicht nur, dass einige der Jungs bis heute nicht so richtig in Fahrt kommen, wurde ein weiterer Fehler gemacht. Meines Erachtens wurde aus der Not heraus, als es auch noch zahlreiche Verletzungen gab, der entscheidende Schritt in die Vergangenheit gemacht. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Klopp, Zorc und Watzke haben sich das heutige Problem selbst errichtet, in dem man Spieler wie Sahin und Kagawa zurückgeholt hat. Ich bin ein großer Fan der beiden Jungs, doch diese Rückkäufe waren offensichtlich große Fehler. Man hat den Umbruch quasi mittendrin, offensichtlich aus Panik, abgebrochen. Jetzt haben wir wieder mehr Spieler des alten Systems, die sich auf ein neues nicht einstellen (können), zugleich aber neue Spieler für ein anderes System, welches wohl geplant aber nun doch nicht umgesetzt wurde.

Es ist ziemlich wirr, denn inzwischen besteht zwar wieder „die alte Achse“ im Mittelfeld und in der Abwehr, allerdings in der Offensive nur zu einem besonders geringen Teil. Meines Erachtens haben wir damit nun zwei absolut unstimmige Mannschaftsteile auf dem Platz stehen, die nur an richtig guten Tagen oder bei passenden Gegnern miteinander auskommen. Besonders häufig zeigte sich das in den Spielen, in welchen wir zuerst ein Gegentor fressen musste. Mein Gott, das kann passieren, aber lässt sich eigentlich wieder ausbügeln. Diese Momente aber, in denen fast zwingend eine Mannschaft mit drei stimmigen Mannschaftsteilen gebraucht wird, offenbarten die falsche Zusammenstellung des Teams. Schon längst spielt der fantastische Aufbauspieler Mats Hummels nach vorn so gut wie keine Rolle mehr, auch Gündogan ist mit den „neuen“ Offensivspielern zum Teil restlos überfordert. Vor allem er konnte sich auf den Umbruch nicht einstellen, weil er über ein Jahr verletzt war. Das sieht man auch bei Kuba, der nach ebenfalls ewig langer Verletzung so gar nicht ins Team findet und ohne den manchmal fehlenden Piszczek völlig verloren auf seiner rechten Außenbahn ist.

Bis zum Strafraum und nicht weiter

Genau deshalb schaffen es immer mehr Mannschaften, uns an ihrem Strafraum quasi verhungern zu lassen. Es geht meines Erachtens gar nicht um das Spielsystem von Dortmund an sich, sondern die gegnerischen Trainer sehen in ihren Analysen ganz genau, was ich eben lang und breit erklärte. Es steht ein wackeliges Gebilde auf dem Platz, das nach vorn einfach nicht zusammenfindet. So haben wir das Problem, zwar hinten wieder recht stabil zu stehen, vorn aber übermäßig häufig Bälle ins aus oder zum Gegner zu spielen, weil der Spieler des alten Systems nicht mit dem des neuen Systems übereinstimmt. Wir haben zwar annähernd das Niveau des FC Bayern in unseren Offensivreihen, da bin ich mir ziemlich sicher, nur funktionieren bei uns derartige Passspiele wie bei den Jungs aus München einfach nicht, weil unsere Jungs im offensiven Mittelfeld zum großen Teil nicht zusammenpassen. Das ist für mich der Grund, warum der teils immense Druck auf die gegnerische Abwehr bei uns oft torlos endet, während die Bayern dann mit 7:0 ausm Stadion marschieren. Auch wenn sich das viele wünschen, ein Reus alleine kann es nicht richten, das schaffen aber auch Spieler wie Ronaldo oder Robben nicht, auch die sind auf ein harmonisches Offensivspiel der Mitspieler angewiesen. Eine schlechte Chancenverwertung lässt sich noch verkraften, wenn 3 Punkte dabei rauskommen, ein Spiel wie gegen Turin gänzlich ohne Torchancen aber schon weniger.

Masterplan

Nope, den habe ich leider nicht. Jetzt muss man in Dortmund aber ganz dringend einen Plan finden, um weiteres Unheil abzuwenden. Unheil bedeutet für mich nach den vergangenen Jahren, dass wir in der nächsten Saison hinter Bayern, Sch*lke, Gladbach, Leverkusen und Wolfsburg stehen. Dann würde es tatsächlich erneut knapp werden, überhaupt die Europa League zu erreichen. Mittelmaß also, das langweilige Bundesligageschäft, in welchem nur wieder wieder Ziele stehen, nicht gegen die Top 5 der Liga zu verlieren. Sorry, darauf hab ich echt kein Bock, auch wenn ich mir wie bisher absolut jedes Spiel live anschauen würde, weils einfach meine Borussia ist. Eigentlich dürfte kein Borusse Lust darauf haben, nach drei fetten Jahren wiedermal im Mittelmaß zu landen.

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