Abgesang eines Fans: Die Formel 1 hat auch ihren letzten Reiz verloren

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Wenn mich nicht alles täuscht, dann war ich ungefähr 15 Jahre bei der Formel 1 immer mit dabei. Was mich als Kind noch faszinierte, auch weil es deutsche Fahrer wie Michael Schumacher gab, die diesen Sport erst überhaupt hierzulande richtig populär machten, langweilt mich heute ca. 20 Sonntage je Jahr. Nicht weil Sebastian Vettel in den letzten Jahren allen davongefahren war und der Sieger der Rennen letztlich schon feststand, sondern weil moderne Strecken und auch moderne Technologie diesen einst faszinierenden Sport für mich weniger spannend als Curling machen. Hinzukommt das sogenannte Downsizing der Motoren.

Strecken langweilig, Geld dominierend

Je nach Saison sind fast die Hälfte der Rennen auf modernen Strecken, die auf die Kappe von Hermann Tilke gehen. Sein Können in allen Ehren, aber wann gab es je ein spannendes Rennen in Bahrain, Texas oder Südkorea? Diese Rennen wieder spannend zu machen versuchten die Bosse der F1 mittels Systemen wie KERS oder auch DRS, was aber meines Erachtens das Gegenteil bewirkte. Klar, es gibt wieder mehr Überholmanöver, doch die sind in der Regel langweilig weil künstlich. Das hinterherfahrende Fahrzeug klappt also den Flügel runter und ist damit locker 10 Km/h oder mehr schneller. Den Rest muss ich nicht erklären, durch den Überschuss fährt der überholende Fahrer meist ganz locker vorbei, zumal das mehrfache Wechseln der Fahrspur auch im Kampf um Plätze zur Verteidigung nicht erlaubt ist. Die Dominanz einiger Teams macht das Überholen also schwerer, zumal die modernen Strecken aufgrund ihres Aufbaus (meist übermäßig breit) noch extra die Spannung nehmen. KERS und auch DRS sorgen zwar wiederum für Überholmanöver, doch die sind dann wie „einfaches Vorbeiwinken“.

Auch das gute Geld ist natürlich in der Formel 1 das Machtwort schlechthin, doch in einigen anderen Serien ist dies nicht so krass entscheidend wie hier. Gern hol‘ ich da wieder meine neue Liebe NASCAR ins Boot, die allein aufgrund ihrer Strecken und Action immer wieder dafür sorgen kann, dass der Gewinner des Rennens zum Start nicht mal unter den Top 20 gewesen sein muss. Geld spielt hier eine so große Rolle wie kaum woanders, doch es hat meines Erachtens weniger Einfluss auf die tatsächlichen Rennergebnisse. Es macht sich erst am Ende der Saison bemerkbar, da die finanziell besser aufgestellten Teams fast zwangsläufig durch mehr und fähigere Mitarbeiter eine konstantere Leistung über ein komplettes Jahr abliefern können.

Doch während die NASCAR genau das verhindern will, scheint in der Formel 1 das komplette Gegenteil zu passieren.

Ab 2014 nur noch Rasenmähermotoren

Versteht mich nicht falsch, die jetzt eingesetzten V6-Motoren sind mit ihren ca. 600 PS bei 700 Kg Gesamtgewicht nicht gerade unterdimensioniert, doch allein ihr Sound nimmt jeglichen Reiz noch weitere Rennen zu schauen. Den Klang der neuen Motoren könnte man mit einer Kate Upton in Kartoffelsack und Rollkragenpullover vergleichen. Klingt auf dem Blatt zunächst vielversprechend, ist aber irgendwie doch nicht so geil.

Ähnlich sehen das die Fahrer übrigens auch, welche sich darüber lustig machen sich endlich auch direkt während des Rennens unterhalten zu können. So ist also der typische Klang der Formel 1, der sich zwar in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder leicht änderte aber doch ein unverwechselbares Klangbild besaß, jetzt ebenfalls in den Geschichtsbüchern angelangt.

Spannung durch neues Reglement?

Und trotz all dieser negativen Gesichtspunkte erwartete ich mir ein spannendes Rennen in Australien, da ein neues Reglement dafür eigentlich sorgen sollte. Doch Fehlanzeige, alles wie gehabt, Mercedes und Red Bull ganz vorn, Ferrari gurkte so ein wenig im Mittelfeld rum und es gab zwei, drei Fahrer, mit welchen man nicht unbedingt rechnete. Am Ende gab es aber eben nicht wie in der NASCAR einen Abstand von einer oder wenigen Autolängen, sondern Nico Rosberg fuhr mit über 20 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie, der auf Platz 10 einfahrende Sergio Perez hatte sogar eine Minute und 25 Sekunden Rückstand auf den Sieger des Rennens.

Wären Vettel und Hamilton nicht aufgrund technischer Probleme ausgeschieden, dann würden die Top 10 des ersten Grand Prix‘ wahrscheinlich noch typischer aussehen. Nun gut, immerhin kommt bzgl. der Punkte durch die Ausfälle ein wenig Spannung in die Geschichte, wobei für die ersten Rennen sowieso mit Problemen zu rechnen war.

Es war so schön

Bislang konnte ich einmal bei einem Rennen live dabei sein. Faszinierend war da weniger das Rennen an sich, weil man davon nur wenig mitbekommt, sondern die an einem vorbeifahrenden Autos. Der Sound dieser Fahrzeuge hat mich auch die letzten Jahre noch vor dem TV bei der Stange gehalten, weils einfach irgendwie geil war, zum Sonntag die Anlage aufzudrehen und sich diese wunderschönen Klänge zwei Stunden anzuhören. Doch damit ist nun Schluss. Mit dem Verlust des typischen Formel 1-Sounds hat diese Rennserie für mich auch ihren letzten Reiz verloren.

9 Kommentare

  1. Hallo Denny,

    du sprichst mir aus der Seele, ich sehe es zu 100% genauso.

    Das waren noch Zeiten mit Damon Hill, Mika, Villeneuve…..

    Gruß

  2. Orrrr, was war das früher geil. Wie Schumi extra Villeneuve abgeschossen hat, man bei Regen noch in Monaco in jeder fucking Kurve mitgezittert hat und nicht wie heute einschläft, weil hinter dem Safety Car gegurkt wird und es nicht nur um Reifen sondern um Tanken ging. Zig Regeländerungen, langweilige Strecken … man muss sich nicht wundern, wenn es langfristig nicht mehr so gut läuft bei der Formel 1.

    • Auch der Fight gegen Hill bei seiner ersten WM. Da hat man noch gemerkt, dass es um etwas ging. Fehlt heute bzw. gibts für jede Berührung überzogene Strafen.

  3. Schöner Artikel, mir praktisch von der Seele geschrieben. Nur hat das Abwenden bei mir bereits vor 2-3 Jahren eingesetzt. Spätestens seit Nascar regelmäßig im Fernsehen kommt und ich gesehen habe, wie spannend und faszinierend Motorsport sein kann. Dazu der Sound. Und nach meinem ersten Live-Rennen, 2013 in Dover, ist es entgültig um mich geschehen!

  4. Pingback: Formula E: So traurig klingt die Zukunft

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